2012 müffelt bereits jetzt; noch nie fing ein Jahr so planlos, gar desorientiert an.
Der Friede-Freude-Eierkuchen fault, Schwefel hängt im milden Januar in allen Asphaltritzen, über die die waghalsigen Kapitäne der Gigaliner („Meiner ist 25 Meter lang“) brettern, während auf den Tastaturen der Chefredaktionen Keime der Belanglosigkeiten die illegale Raumpflegerin krank machen. Und Europa brunzt trübes Wasser.
Doch dieses Jahr Urlaub zusammen mit Uli Hoeneß, Dirk Niebel, Josef Joffe und Lena Meyer-Landrut auf Ibiza.
Auch 2012 findet unsere lose Serie „Ist das Geld noch zu retten?“ (Nein, nicht nur der Euro, sondern alles, die pakistanische Rupie, der Yen, der Franken, der Taki, der Dollar und vor allem der Renmimbi) leider eine Fortsetzung.
Doch zuerst ein Blick zurück: Vor gut einem Vierteljahr zitierten wir den uns unbekannten „Transmitter“, der im Forum bei SPIEGEL ONLlNE populistische Politikerschelte betrieb und eine Euro-Prophezeihung wagte: „Die Betroffen wachen erst auf“, schrieb Transmitter, „wenn die Tankstellen trocken, die Supermärkte leer und die Banken geschlossen sind.“ Dieser Zustand sei nur noch „eine Frage kürzester Zeit.“
Drei Monate später bekomme ich weiterhin Geld aus dem Automaten, die Preise im Supermarkt sind stabil, die Tankstellen feuchtfröhlich wie eh und je. Nun gut, warum sich überhaupt mit solch peinsamen Forengelaber abgeben?, fragt sich jetzt vielleicht der eine oder andere. Ja, zum Teufel, das weiß ich auch nicht.
Wenn ich schon über geschlossene Banken, leere Supermärkte & trockene Tankstellen (was ja ein wunderbarer Dreiklang ist, ein Schimmer vom Paradies) schreiben würde, dann finge ich mit der Schweiz an.
In unserer endlosen Serie „Ist das Geld noch zu retten?“ (Nein, nicht nur der Euro, sondern alles, die pakistanische Rupie, der Yen, der Franken, der Taki, der Dollar und vor allem der Renmimbi) heute mit James Burnham (1905–1987). Der Mann aus Chicago verstand sich als Theoretiker der Politik, der als Trotzkist begann und als Konservativer endete.
In seinem Buch „Die Strategien des Kalten Krieges“ (Stuttgart: Union Deutsche Verlagsgesellschaft 1950) fand ich im ersten Teil frappierend Zeitloses. Im vierten Kapitel „Was kann man von Europa erwarten?“ formuliert Burnham aus der Sicht des US-Amerikaners Fragen, die uns alte Europäer auch gute sechzig Jahre später noch umtreiben. Ich zitiere aus dem lesenswerten Band:
“Die Frage, vor der Europa heute steht, heißt einfacht: ‚Wird Europa am Leben bleiben?‘ Heute allerdings lautet die Frage vielleich besser: ‚Wünscht Europa, am Leben zu bleiben?‘ Hat es nicht den Wunsch, so wird es gewiß nicht am Leben bleiben.“ (S. 83)
Woran liegt es nach James Burnham? Eine Seite später liefert er die nachdenkenswerte Antwort:
„Ein Beweis für das Nachlassen des Lebenswillens liegt in dem Verlust des Gemeinschaftsinns, den ich schon erwähnt habe, in der Demoralisierung, dem Seperatismus und Zynismus.“ (S. 84)
That’s it! Und weiter im Text:
„Die Antwort auf die Frage dieses Kapitels: ‚Was kann man von Europa erwarten?‘ muß lauten: vom europäischen Kontinent unter den jetzigen Verhältnissen wenig und vielleicht weniger als nichts. Die heutigen Regierungen und Regierungsparteien sind jedoch nicht mir Europa identisch, und die jetzigen Verhältnisse brauchen nicht ewig zu dauern.“ (S. 87)
Aber wie, aber wie kann man diesen trüben Zustand überwinden? Auch darauf hat Burnham eine Antwort:
„Übernehmen die Vereinigten Staaten die Verantwortung, ergreifen sie die Initiative und bieten sie echte Führung, dann und nur dann wird Europa eine schöpferische Antwort erteilen. Dasselbe Europa, das heute wie ein greiser Vater erscheint, der das Haus verkommen läßt, das Erbe seiner Kinder durchbringt und mißmutig die Arztrechnungen anschwellen läßt, wird sich dann als kluger Ratgeber und als tapferer Teilhaber am Bau einer neuen Weltordnung erweisen.“ (S. 89f)
Die Engländer haben das verstanden. Deswegen kuscheln sie lieber mit den USA und hoffen weiterhin unverdrossen auf eine neue (alte) Weltordnung. Die Entwicklung bleibt abzuwarten. FADC bleibt am Ball und tritt weiterhin für ein Europa aller Europäer ein.
Zur 150. Jubiläumsfolge gibt's aus dem Hause "Europa" einen Dreierpack von den drei Detektiven aus Rocky Beach. Auf CD, Picture Vinyl und Tape! Regie und Produktion wie eh und je von der hier erst neulich erwähnten großartigen Heikedine Körting. Eigentlich unfassbar, dass diese Reihe nicht nur noch immer erscheint, sondern dass sie sogar noch auf Tape zu haben ist!
Wobei das Tape überhaupt gerade eine kleine Wiederauferstehung feiert. Und das nicht nur in Kinderzimmern.

"Lucy rückte dicht an Jack heran. Es war nicht besonders angenehm, so hoch oben in der Luft und bei tiefer Nacht mit ganz fremden Männern zusammen in einem verkehrten Flugzeug zu sitzen.
'Wir sitzen wirklich schön in der Tinte', sagte Jack. 'Die Männer werden außer sich sein, wenn sie uns entdecken.'
'Vielleicht werfen sie uns hinaus', meinte Lucy entsetzt. 'Und wir haben nicht einmal Fallschirme. Jack, sag ihnen nicht, daß wir hier sind.'
'Früher oder später werden sie es doch merken', meinte Dina. 'Was sind wir doch für Dummköpfe! In das falsche Flugzeug zu steigen! An so etwas habe ich überhaupt nicht gedacht.'
Wieder waren sie eine Weile still und grübelten."
Aus (dem Buch) „Das Tal der Abenteuer“ von Enid Blyton
753 Bücher soll sie geschrieben haben, Enid Mary Blyton (und darunter nur drei missratene). Was würde sie sagen zur heutigen Flut an Grusel- und Fantasyromanen mit all ihren
Zauberlehrlingen, Jungfrauen und Vampiren? Fünf Freunde müsst ihr sein, in guten wie in schlechten Zeiten?
Auf jeden Fall wäre es ein Skandal, ließe sich unter 753 Blyton-Titeln keines mit einem Flugzeug auf dem Cover finden. Selbstverständlich gibt es welche. Und das sogar auf Schallplatte und Musikkassette!
Oben zu sehen das LP-Cover der Hörspielfassung aus der Abenteuer-Serie, erschienen bei „Europa“ 1975. Das wunderbare Cover ist von einem gewissen Hans Möller, Hörspielbearbeitung und Regie von keiner Geringeren als Heikedine Körting: Es bräuchte also gar nicht den grandiosen „Qualitäts-Hinweis“ auf der LP-Rückseite, um den geneigten Hörer zu überzeugen …
Wer noch mehr Enid-Blyton-Tonträger mit Flugzeugen kennt, soll sich bitte melden!
In unserer losen Serie „Ist das Geld noch zu retten?“ (Nein, nicht nur der Euro, sondern alles, die pakistanische Rupie, der Yen, der Franken, der Taki, der Dollar und vor allem der Renmimbi) heute mit Patrick Bernau, Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
In seinem Jammerlappenkommentar "Ich rette die Griechen nicht" macht PB nicht nur beiläufig Werbung für Heidelberg Cement, sondern lässt auch den unglaublichen Satz fallen: "Ich habe ihm geglaubt, dem Herrn Schäuble." Es geht noch immer tiefer.

(Rückseite der '72-Stax-LP der Staple Singers: Respect yourself)

(Oben das aufgeklappte Cover der Best-of-Doppel-LP Endless summer der Beach Boys)
(Aus dem Song Über Nacht von Element of Crime)
(Aus den Wurzelkindern)
Auch dieses Jahr geht der Sommer wieder ohne Applaus von der Bühne. Woran hat's gelegen? Das weiß nur der Wind und Kachelmann.
TOP 10 SOMMER ADE
- Element of Crime: Über Nacht
- The Doors: Summer's almost gone
- Beth Gibbons: Funny time of year
- Alexandra: Traum vom Fliegen
- Coleman Hawkins: Indian summer
- The Mamas and Papas: California dreamin'
- January Star: this time it feels like it is never going to be summer again
- The Beatles: Rain
- Them: It's all over now, Baby Blue
- Delta Spirit: Ode to sunshine
„Vorspiel“ nennt sich die Rubrik in der spex, in der Musiker in einer Interviewsituation ausgewählte Songs kommentieren dürfen. In der aktuellen spex-Ausgabe mit Lady Gaga vorne drauf wird Bootsy Collins zum Vorspiel eingeladen. Bootsy Collins, Jahrgang 1951, Bassist, Komponist und Sänger, Ufologe und Fixstern im Funkuniversum, Solo und und in den Siebzigern bei Funkadelic/Parliament, kurzum, eine Legende, die stramm auf die 60 zugeht und aktuell mit neuem Album unterwegs ist, legt also los. Nachdem Bootsy Collins sich über James Brown, Jimi Hendrix und über die Etymologie des Fu
nk ausgelassen hat, stellen ihm Jan Kedves und Anne Waak die Gretchenfrage, wie er denn Funk musikalisch definiere.
Funk sei wie sloppy seconds. Sloppy seconds?, fragen die Interviewer nach. Bootsy: „Nun ja, das ist, wenn mehrere Männer Sex mit derselben Frau haben. Der erste macht sein Ding fertig, dann kommt der zweite dran. Wenn schon ein paar Flecken auf dem Laken sind und alles ein bisschen lockerer sitzt – das ist funky!“ Aha, denkt sich der Leser. (Warum bloß fällt mir hier Funky von Tic Tac Toe ein? Und ich sitz‘ auf seinem Schoß, kleine Träume werden groß, ich fühl mich funky … Das hätte ich Bootsy Collins vorgespielt, wäre lustiger gewesen). Das Zitat mit den Flecken auf den Laken ist übrigens die Subheadline des Artikels. Im Interview geht es kommentarlos weiter mit dem nächsten Song. Ist das eine Meldung wert?
Hm, die aktuelle Sexualisierung des Gender-, Post-Porno- und Mode-Magazins spex erstaunt schon ein bisschen. In dieser Ausgabe wird die Subversivität Lady Gagas diskutiert, ein Romanvorabdruck des Wo-ist-die-Vorhaut-Jesu-Christi-hin?-Autors Thomas Meinecke (der schon die Rubrik „Vorspiel“ aufgrund der Konnotation
ablehnen müsste) abgedruckt, Andreas Doraus erläutert, warum die dreizehnjährigen Aushilfsmarinas im Chor von „Fred vom Jupiter“ unsexy sein mussten und am Ende findet man amüsante Kommentare von Andreas Spechtl (Ja, Panik) über die spex-Redaktion („Das sind ganz straighte, heterosexuelle Männer dort. Da geht gar nichts“). Und auf fünf Druckseiten erläutert sloppy-seconds-Collins seine Sicht der Dinge. Ist das schon alles Post-Empire? Ja natürlich, ich schreibe das auch nur, um ungeniert das 1975er-Albumcover (als Sexismus noch state of the art war) der Prog-Rock-Band „Focus“ präsentieren zu können. Musikalisch absolut unfunky, aber auch hier wird ordentlich drübergebügelt, was nicht nur Bootsy Collins gefallen dürfte.
Andere Baustelle
:
Vögel und Apokalypse. Natürlich könnte man zurückgehen bis zum alten Griechen Kretares und seinem leider nur als Fragment überliefertem Drama "Der Rabe, die Kriegerin, der Tod". Natürlich müsste man Hitchcocks "Die Vögel" in diesem Zusammenhang erwähnen - und den Soundtrack von Oskar Sala. Man kann aber auch mit einem anderen großen Griechen einsteigen, mit Evangelos Odyssey Papathanassiou, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Vangelis. Das Soundtrack-Cover zu einem mittlerweile vergessenen Frederic-Rossi-Film war es, das bis heute unzählige, weltuntergangsschwangere Vögel-Cover inspirierte.
Wir erinnern uns aber an Noah auf seiner Arche: Eine von Noah losgelassene Taube war es, die mit einem frischen Olivenzweig im Schnabel zurückkehrte und so von Land kündigte. Die Apokalypse war noch einmal abgewendet.



durch die er als erster us-amerikanischer Sänger getourt war, eine Single mit der José-Feliciano-Coverversion „Che Sarà“ und auf der Flipside „We’ll say yes“, Dean Reeds Beitrag zu den zehnten Weltfestspielen 1973 in Ost-Berlin. „Ob schwarz, ob gelb, ob weiß, spielt keine Rolle hier, hier geht es um den Menschen, und der sind wir“ (eine noch undiskutierte Vorlage für Lady Gagas Born this way ). Das Cover – dessen Bezug zu den Songs mir ein Rätsel ist – zeigt einen Stau, ein Quadrat im Quadrat im Quadrat, die Mobilität zu Wasser, zu Lande und zu Luft ... Und da ist er, psychedelische Emissionen hinter sich lassend, der Jumbojet (sieht auch in dieser Winzigkeit nicht nach Aeroflot aus). Wohin fliegt der Flieger? Gen Westen, in die klassenlose Gesellschaft, zum Flughafen Schwerin-Parchim, ins Wolkenkuckucksheim?TV-Tipp: Morgen am späten Abend läuft auf dem rbb eine sehenswerte Doku über Dean Reed.

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(Oben eine Single der im Mülleimer der Geschichte gelandeten Punkrocker von Chron Gen, frühe Achtziger)
Der folkloristische „Tag der Arbeit“ ist ein schönes Beispiel dafür, dass das 21. Jahrhundert ein Zählfehler ist. Mit beiden Händen und dem Abakus komme ich auf 1835. Wir sind mal wieder im Biedermeier. Die Evolution frisst ihre Sünder.
(Unten die Single-Cover-Rückseite der im Mülleimer der Geschichte gelandeten Punkrocker von Chron Gen, frühe Achtziger)

In Bezug auf Rezensionen zeitgenössischer Romane hat eine Literaturkritikerin vor einiger Zeit laut aufgestöhnt. Sie könne die Phrase von „gut gemacht“ nicht mehr hören. Gut gemacht seien sie (die Romane) doch alle. Das sei doch quasi die Grundvoraussetzung, um überhaupt erscheinen zu dürfen. Aber wollen wir nicht mehr? Ja, wir wollen mehr.
Es trifft seit einigen Jahren leider auf die meisten Popmusikveröffentlichungen zu, dass „gut gemacht“ nicht „gut“ bedeutet. Das könnte man verschmerzen, würde es nicht auch auf eine aktuelle Veröffentlichung zutreffen, die viel erwarten ließ. Die Rede ist von „Nightingale“, der neuen LP der Brit-Folk-Kombo „Erland & The Carnival“. Ihr erstes, selbstbenanntes Album war
eine der Entdeckungen im vergangenen Jahr, eine Platte, die Sixties-Folk, Psychedelia und große Popsongmelodien ins 21. Jahrhundert hinüberholte. Das neue Album hingegen bietet 13 Songs, die auch beim x-ten Mal hören durchrauschen, ohne dass was hängen bliebe. Banale Lyrics, die Musik anbiedernd eingängig und ohne Tiefe, verschämt schielend auf Hitpotential – und unentwegt orgelt die Orgel. Nicht, dass E & TC nichts versuchen würden: da wird der Uraltgospel „Nobody knows the trouble I’ve seen“ in einen Song integriert, ein Soundtrack-Motiv aus Hitchcocks „Vertigo“ ummantelt einen Track, Balladeskes wird intoniert und bereits im Opener „So tired in the morning“ haut man mit der Sentenz „The saddest thing in life is to love and not be loved“ eine Variante eines der ganz großen Popzitate raus. Es hilft alles nicht, in keiner Sekunde reicht ein Song an die Großartigkeit des Debüts heran. Übrig bleibt ein Jugendzimmercover, das weder für die Nachtigall noch für den (misslungenen) britischen Popfolk des 21. Jahrhunderts steht, sondern nur für ein „Lasst mich bitte weiterschlafen“.
Da stimmt man doch ausnahmsweise einmal Jan Wigger zu, dem Mann von S.P.O.N., der die Musik abhört. In einem gänzlich anderen Kontext schreibt er aktuell über die nicht enden wollende Flut an Neue
rscheinungen: „Mein Vorschlag ist dann immer, die Veröffentlichung von Schallplatten weltweit für ein Jahr zu stoppen. Zwar kein sehr kunstsinniger Ansatz, aber eine gute Möglichkeit, endlich alle Alben des vergangenen Jahres (und der Jahre 1969, 1971 und 1975) ausführlich zu hören und wiederum festzustellen, dass es auch dann noch genug Musik für tausend Leben gäbe, wenn nie mehr eine neue Platte erscheinen dürfte.“ Da hat er absolut recht (wobei seine durchgehenden Höchstnoten für Reissues der Siebziger einem auf die Nerven gehen, vor allem, wenn sie nicht mal vor Queen halt machen. Vieles ist gut, aber wenn einer zu viel gut findet, wird’s kritisch für den Kritiker).
(Links ein Ausschnitt von der Innenhülle der Murphey-LP "Swans against the sun")
Also, auf ins Jahr 1975! Dort findet man die LP mit dem unschlagbaren Titel „Swans against the sun“ von Michael Murphey. Murphey, Jahrgang ’65 und aus Dallas stammend, fällt eigentlich unter „Country“. Was man dieser Platte nicht unbedingt anhört. „Swans against the sun“ ist ein ziemlich kruder Mischmasch aus verschiedensten Richtungen. Der Titeltrack, den kein Geringer als John „Country roads“ Denver intoniert, ist ein unglaublicher Soft-Rock-Schmachtfetzen, auf den ein basslastiges, rockiges „Renegade“ folgt. Keine Sekunde kommt Langeweile auf, ein wunderbares Album.
Der Heiner-Geißler-Wanderpokal geht im März an Barney Kessels Album „Soaring“ aus dem Jahr 1976. Ein Album, wie man
aus gut unterrichteten Killesbergern Kreisen hört, das auch der alte Jazzer und Ministerpräsident Stefan „Gis-Dur“ Mappus gerne auflegt. Prima für ihn, ab morgen wird er ja dann mehr Zeit für seine Hobbys haben.
Dass über allen Gipfeln Ruh ist, stimmt ja schon seit einigen Jahrzehnten nicht mehr. Ein besonders bedrückendes Beispiel liefert hierfür eine Single von Rick Wakeman aus dem schönen Jahr 1979. Da fliegt der ehemalige Sänger der Band „Yes“ im Adidas-Anzug durch die Alpen, die Frisur sitzt, freundliches Lächeln.

Aber mal ehrlich, möchen Sie diesem Mann auf dem Matterhorn begegnen? Nur am Rande sei bemerkt, dass sich auf dieser Single auch der Track „Yes we have no bananas“ befindet. Was das mit dem Cover zu tun hat? Nichts natürlich. Wir wünschen Ihnen allen guten Besserung.
Hat sich Großregisseur John Cameron für seinen Großfilm „Avatar“ von einer Single des deutschen Schlagersängers G. G. Anderson inspirieren lassen? Das Cover der 1982 erschienenen Single „Jim und Andy“ erinnert frappant an die Bändigung des wilden Drachenvogels durch Teilzeit-Na’vi Jake Sully. Im Hintergrund glaubt man, die berühmten „Hängenden Berge“ von Pandora zu erkennen. Ein besonderes Fundstück!
Ob die Freiheit auch in – und nicht über – den Wolken zu finden ist, muss nicht nur beim Anblick der „Blood, Sweat & Tears“-Single „Go down gamblin‘“ (1972) bezweifelt werden. Mit „Born a natural loser“ beginnt der Song. Es geht um Poker und Black Jack, Roulette und das Verlieren. Spieler leben nun mal in Wolkenkuckucksheimen.
Abwärts geht es auch auf dem Cover des klassischen Debüts der Hamburger Punkband „Abwärts“ mit dem Palindrom-Titel „Amok – Koma“ (1980). Mich würde interessieren, woher sie dieses Photo haben. Die Belfaster Kombo „Stiff Little Fingers“ hauten 1981 ihr Album „Go for it“ raus, mit einem wunderbaren Wolkenkratzerabsturzmotiv. Wie bereits die letzte Rubrik von „Was alles fliegt, wer alles fliegt“ zeigte, waren die frühen Achtziger eine Zeit, in der auf Plattencovern gerne Menschen aus dem Fenster fielen.


Zur Aufhellung und zum Abschluss noch das fantastische Turmspringer-Cover von „Quicksand“. Wir hoffen, dass Wasser im Becken ist.
Die Crew wünscht Jürgen Hingsen zum 53. Geburtstag alles Gute.
Hingsen, der ewige Zweite. Hingsen, der Loser, der immer die Hosen voll hatte, wenn es darauf ankam. Hingsen, der Jan Ulrich der Leichtathletik. Unvergessen sein Auftritt bei den Olympischen Sommerspielen 1988 in Seoul. Hingsen in der Form seines Lebens verursachte in der ERSTEN Disziplin des Zehnkampfes, dem 100 Meter Lauf, sage und schreibe drei (!!!) Fehlstarts, welche seine Disqualifikation bedeuteten. Legendär die Duelle mit seinem englischen Dauerrivalen Daley Thompson. Sieben Duelle auf internationaler Ebene - sieben Mal hieß der Sieger Daley Thompson.
Thompson war es auch, der "unserem Sunnyboy Jürgen" den Spitznamen "Hollywood Hingsen" verpasste. Wir vermuten, das muss mit dem "künstlerischen" Schaffen Jürgens zusammenhängen. Denn bereits im Jahr 1984 wirkte er in dem von Sigi Rothemund inszenierten Klamaukfilm "Drei und eine halbe Portion" mit. Neben dem ehemaligen international erfolgreichen Gewichtheber Jürgen Milser sowie den Schauspielern Karl Dall und Patrick Bach wurde der Titelsong "keine Angst vorm Fliegen" zum Film eingespielt:

"Drei und eine halbe Portion" - heute ein Klassiker im Genre des Trashfilms:
Sportliche Bestleistungen Jürgen Hingsen:
- 100 m: 10,70 Sek.
- Weitsprung: 8,04 m
- Kugelstoßen: 16,57 m
- Hochsprung: 2,18 m
- 400 m: 47,65 Sek.
- 110 m Hürden: 13,84 Sek.
- Diskuswurf: 50,82 m
- Stabhochsprung: 5,10 m
- Speerwurf: 67,42 m
- 1500 m: 4:12:29 Min.
Nicht nur die Münchner Rück sagt: Entweder ist an einem Ort zu viel Nass oder aber zu wenig Nass. Beides tut niemandem gut. Brennt es dort lichterloh, ist da alles überflutet. An dem einem Eck ist alles staubtrocken, am anderen Eck herrscht 150% Luftfeuchtigkeit. Unseren CD- und Schallplattencoverprotagonisten jedoch (sehen wir von Moby Dick ab) geht’s prima und es sei ihnen von Herzen gegönnt. Ob im Pool, am heimischen Badesee, am Strand oder im Kajak unterwegs zu einer einsamen Insel – das Wasser ist mit ihnen. Darauf einen tiefen Schluck Kranenburger!































