Es geht los, Bestenlisten noch und nöcher, wohin man auch schaut. Vor einunddreißig Jahren schrieb Greil Marcus: "Der Rock'n'Roll ist mittlerweile zu groß, um irgendein Zentrum zu haben. Tatsächlich ist er so groß, daß einzelne Ereignisse - ob nun Springsteens Tournee, Sid Vicious' Überdosis oder das erste Album John Lennons seit fünf Jahren - kaum mehr als Randerscheinungen sein können."

Platten 2011
- About Group: Start and complete
- Ja, Panik: DMD KIU LIDT
- Chris Difford: Cashmere if you can
- Handsome Furs: Sound Kapital
- Okkervil River: I am far away
- Destroyer: Kaputt
- Diverse: A tribute to Nevermind (CD-Beilage v. Musikexpress Oktober 2011)
- Dum Dum Girls: Only in dreams
- Bob Dylan: Pure Dylan - An intimate look at Bob Dylan
- Hauschka: Salon des Amateurs
Songs 2011
- Ja, Panik: Nevermind (DMD KIU LIDT)
- Molden: Es Boodliad (Weida foan)
- Okkervil River: Lay of the last survivor (I am far away)
- Dum Dum Girls: He gets me high (EP Het gets me high)
- Destroyer: Poor on love (Kaputt)
- The Low Anthem: Ghost woman blues (Smart flesh)
- Lady Gaga: The edge of glory (Born this way)
- Deerhunter: Cool (7” Pylon/Cover + Remix)
- Exitmusic: The sea (EP Silence music)
- James Blake: Once we all agree (Enough thunder)
In unserer endlosen Serie „Ist das Geld noch zu retten?“ (Nein, nicht nur der Euro, sondern alles, die pakistanische Rupie, der Yen, der Franken, der Taki, der Dollar und vor allem der Renmimbi) heute mit James Burnham (1905–1987). Der Mann aus Chicago verstand sich als Theoretiker der Politik, der als Trotzkist begann und als Konservativer endete.
In seinem Buch „Die Strategien des Kalten Krieges“ (Stuttgart: Union Deutsche Verlagsgesellschaft 1950) fand ich im ersten Teil frappierend Zeitloses. Im vierten Kapitel „Was kann man von Europa erwarten?“ formuliert Burnham aus der Sicht des US-Amerikaners Fragen, die uns alte Europäer auch gute sechzig Jahre später noch umtreiben. Ich zitiere aus dem lesenswerten Band:
“Die Frage, vor der Europa heute steht, heißt einfacht: ‚Wird Europa am Leben bleiben?‘ Heute allerdings lautet die Frage vielleich besser: ‚Wünscht Europa, am Leben zu bleiben?‘ Hat es nicht den Wunsch, so wird es gewiß nicht am Leben bleiben.“ (S. 83)
Woran liegt es nach James Burnham? Eine Seite später liefert er die nachdenkenswerte Antwort:
„Ein Beweis für das Nachlassen des Lebenswillens liegt in dem Verlust des Gemeinschaftsinns, den ich schon erwähnt habe, in der Demoralisierung, dem Seperatismus und Zynismus.“ (S. 84)
That’s it! Und weiter im Text:
„Die Antwort auf die Frage dieses Kapitels: ‚Was kann man von Europa erwarten?‘ muß lauten: vom europäischen Kontinent unter den jetzigen Verhältnissen wenig und vielleicht weniger als nichts. Die heutigen Regierungen und Regierungsparteien sind jedoch nicht mir Europa identisch, und die jetzigen Verhältnisse brauchen nicht ewig zu dauern.“ (S. 87)
Aber wie, aber wie kann man diesen trüben Zustand überwinden? Auch darauf hat Burnham eine Antwort:
„Übernehmen die Vereinigten Staaten die Verantwortung, ergreifen sie die Initiative und bieten sie echte Führung, dann und nur dann wird Europa eine schöpferische Antwort erteilen. Dasselbe Europa, das heute wie ein greiser Vater erscheint, der das Haus verkommen läßt, das Erbe seiner Kinder durchbringt und mißmutig die Arztrechnungen anschwellen läßt, wird sich dann als kluger Ratgeber und als tapferer Teilhaber am Bau einer neuen Weltordnung erweisen.“ (S. 89f)
Die Engländer haben das verstanden. Deswegen kuscheln sie lieber mit den USA und hoffen weiterhin unverdrossen auf eine neue (alte) Weltordnung. Die Entwicklung bleibt abzuwarten. FADC bleibt am Ball und tritt weiterhin für ein Europa aller Europäer ein.
"Lucy rückte dicht an Jack heran. Es war nicht besonders angenehm, so hoch oben in der Luft und bei tiefer Nacht mit ganz fremden Männern zusammen in einem verkehrten Flugzeug zu sitzen.
'Wir sitzen wirklich schön in der Tinte', sagte Jack. 'Die Männer werden außer sich sein, wenn sie uns entdecken.'
'Vielleicht werfen sie uns hinaus', meinte Lucy entsetzt. 'Und wir haben nicht einmal Fallschirme. Jack, sag ihnen nicht, daß wir hier sind.'
'Früher oder später werden sie es doch merken', meinte Dina. 'Was sind wir doch für Dummköpfe! In das falsche Flugzeug zu steigen! An so etwas habe ich überhaupt nicht gedacht.'
Wieder waren sie eine Weile still und grübelten."
Aus (dem Buch) „Das Tal der Abenteuer“ von Enid Blyton
753 Bücher soll sie geschrieben haben, Enid Mary Blyton (und darunter nur drei missratene). Was würde sie sagen zur heutigen Flut an Grusel- und Fantasyromanen mit all ihren
Zauberlehrlingen, Jungfrauen und Vampiren? Fünf Freunde müsst ihr sein, in guten wie in schlechten Zeiten?
Auf jeden Fall wäre es ein Skandal, ließe sich unter 753 Blyton-Titeln keines mit einem Flugzeug auf dem Cover finden. Selbstverständlich gibt es welche. Und das sogar auf Schallplatte und Musikkassette!
Oben zu sehen das LP-Cover der Hörspielfassung aus der Abenteuer-Serie, erschienen bei „Europa“ 1975. Das wunderbare Cover ist von einem gewissen Hans Möller, Hörspielbearbeitung und Regie von keiner Geringeren als Heikedine Körting: Es bräuchte also gar nicht den grandiosen „Qualitäts-Hinweis“ auf der LP-Rückseite, um den geneigten Hörer zu überzeugen …
Wer noch mehr Enid-Blyton-Tonträger mit Flugzeugen kennt, soll sich bitte melden!
In einem Freiburger Programmkino sah ich zufällig den Film “Lenin kam nur bis Lüdenscheid” nach dem Bestseller v
on RD Precht über seine 68er-Kindheit in der Provinz. Höhepunkt des doch recht blassen Films waren die Songs von Franz-Josef Degenhardt, der im Gegensatz zu Lenin sogar bis nach Solingen kam und dort ein Konzert gab. DKP, Schmuddelkinder, Liedermacher – ein Dreiklang, der mich bis dato nicht besonders reizte. Das sollte sich ändern.
Wenig später hatte ich einen Stapel LPs von „Väterchen Franz“ zu Hause, hörte und staunte. „Er singt seine Lieder oft im raunenden Mollton, dann wieder mit irreführender Sonnigkeit“, schreibt Werner Burkhardt in den liner notes zur 1
965er-LP „Spiel nicht mit den Schmuddelkindern – Chansons von und mit Franz-Josef Degenhardt“, einem westdeutschen Klassiker und einer der zehn, fünfzehn deutschsprachigen Platten, die man wirklich haben und kennen muss.
Was für eine Platte ist das! Gewürdigt in den letzten Jahren durch tolle Coverversionen von Element of Crime (Auf der Espresso-Maschine), Erdmöbel (Kein schönes Lied) und dem Bierbeben (Hochzeit). Jetzt kommt ein Degenhardt-Revival, eine Würdigung, eine Rückbesinnung in größerem Ausmaß, dachte ich mir. Doch zumindest bei ebay konnte ich keine große Nachfrage feststellen. Platten ungehört für einen Euro. Degenhardt in der Ramschkiste auch im Second-Hand-Laden um die Ecke.
Degenhardt hören ist bis heute kein angenehmes Hören. Keine Wellness, keine Streicheleinheit, keine innere Hausse. Ein Nicht-Sänger mit einer penetranten Wichtigkeit in der Stimme, die einem zum Zuhören zwingt. Kopfzerbrechen über seinen Deutsch-Surrealismus. Die Gitarre eher zweckmäßig, die frühen LP-Cover in Reminiszenz an George Grosz unangenehm gestaltet von Horst Janssen, als hätten wir wieder 1927.
Unfassbar bis heute Degenhardts Sprechgesang in „Vatis Argumente (Ärmel aufkrempeln – zupacken – aufbauen)“, einem minimalistisch groovendem Rudi-Dutschke-Monster-Song. Die Einladung in „Kommt an den Tisch unter Pflaumenbäumen“ steht noch immer im Raum. Die Verschrobenheit in „Landleute nageln tote Eulen oft an ihre Scheunen“.
Degenhardt hat über 30 Platten veröffentlicht, die ich alle noch hören will, er hat Romane geschrieben, die ich alle noch lesen will. Diesen Montag, am 14. November 2011, ist Franz-Josef Degenhardt im Alter von 79 Jahren verstorben.
Unter den vielen großen Rockbands des 20. Jahrhunderts unangefochten die Nummer 1 meiner HÜFTSTEIF-Liste ... Di
e Rede ist von "The Who". Songwriter und Windmühlengitarrist Pete Townshend hier mit einer Zusammenarbeit mit Ronnie Lane (von den "Small Faces", die swingen konnten) aus dem Jahr 1977. Viele Bildchen, viele Flieger. 

(Oben: Cover-Ausschnitt von der Rückseite der "For your safety"-EP der dänischen Hardcore-Band "Kaospilot")
In unserer losen Serie „Ist das Geld noch zu retten?“ (Nein, nicht der Euro, sondern alles, die pakistanische Rupie, der Yen, der Franken, der Taki, der Dollar und vor allem der Renmimbi) heute eine Prophezeihung.
Wenn du zu lange in einen Abgrund blickst, so einmal Friedrich Nietzsche, blickt am Ende der Abgrund auch in dich hinein. So ähnlich verhält es sich auch mit Internetforen, weswegen ich diese in aller Regel meide. Ab und an scrolle ich doch mal runter und da mich seit jeher Zukunftsprognosen interessieren, brennend interessieren, musste ich den Forumsbeitrag des routinierten Nutzers „Transmitter“ im SPON-Forum vom vorletzten Donnerstag für unser Logbuch kopieren. Es geht um die EFSF-Abstimmung im Bundestag und um das vermeintliche Unwissen einiger Abgeordneter darüber. Schon allein, weil sein Tippfehler so schön ist:
„Es ist zwar verdammt mühselig, die Realtität immer und immer wieder auf den Punkt zu bringen. Aber die Mühe ist nicht umsonst. Es werden immer mehr, die – wie Sie und ich – diese historisch einzigartige Sauerei verlogener und verluderter Berufspolitiker durchschauen. Leider können wir momentan nicht viel mehr machen als ehrlich und objektiv nachprüfbar aufzuklären. Die Betroffenen wachen erst auf, wenn die Tankstellen trocken, die Supermärkte leer und die Banken geschlossen sind.
Dann allerdings wird die Post abgehen; auch hierzulande. Meiner Meinung nach nur noch eine Frage kürzester Zeit!“
Klar, wenn’s keinen Sprit mehr gibt, müssen die Jungs von DHL, Hermes, DPD etc. zu Fuß die Pakete bringen. Doch Spaß beiseite, interpretieren wir „kürzeste Zeit“ mal großzügig mit drei Monaten. Dann melden wir uns wieder. Bis dahin freuen wir uns auf viele weitere großartige Beiträge des Nutzers „Transmitter“, die wir aber nicht lesen werden.
(Unten das Cover der Live-LP "Blitzkrieg over Nüremberg" der Metallkombo "Blue Cheer" aus dem Jahr 1984)

Eine der besten Nirvana-Coverversionen ("Come as you are" in Zeitlupe) hat "The Secret Goldfish", eine wunderbare Popband aus Glasgow, eingespielt. Auf der CD "Jet streams" von 1997 - mit drei kleinen Fliegern drauf. Warum "Come as you are"? Steve McSeveney, der Bassist, lakonisch in einem Interview: "Because we liked it. The only reason to do anything." Am Rande bemerkt, für alle Freunde von Bandnamen mit literarischem Bezug: "The secret goldfish" heißt der Kurzgeschichtenband von Holden Caulfields Bruder im "Fänger im Roggen".

@ Dominik: Alte Hütte, rück' endlich die CD raus. Und die "Kurt & Courtney"-DVD gleich mit. Sofort!
20 Jahre „Nevermind“, da lässt sich die Retroindustrie nicht lumpen. Die „Limited Super Deluxe Edition“ bietet vier CDs und eine DVD. Logo, das
Originalalbum samt B-Seiten, eine weitere CD mit Tracks aus den Boombox-Sessions, Demos und BBC-Aufnahmen, die dritte CD liefert die bis dato unveröffentlichten Devonshire-Mixes von Butch Vig, den Abschluss bildet ein ‘91er-Seattle-Konzert im Paramount auf CD + DVD. Obendrauf gibt’s noch ein Buch mit vielen raren Photos und ein Poster. Wer’s ein bisschen schmaler mag, kann sich die 2-CD-Deluxe-Edition greifen. Und wer sich jetzt denkt: Was, schon wieder zwanzig Jahre um? Kam mir vor, als wäre es erst gestern gewesen … Der sollte „Nevermind“ auflegen und den Retroschnickschnack Retroschnickschnack sein lassen.
Kurt Cobain und seine Band Nirvana (bzw. die Nachlassverwalter) reiten im Heer der Retrosurfer ganz vorne auf derselben Wiederveröffentlichungswelle wie ein weiterer Seattle-Star, die Rede ist von Hendrix, Jimi. Der schafft es sogar, vierzig Jahre nach seinem Tod ein „neues“ Album herauszubringen (bzw. die Nachlassverwalter). Wie Hendrix kamen Nirvana zu Lebzeiten auf drei Studioalben, Kurt Cobain starb wie Hendrix mit 27, beide verbindet, dass sie nicht als große Sänger gelten … Stop! Bei Hendrix kann man darüber streiten (ich finde, dass Hendrix als Sänger unterbewertet ist), bei Cobain nicht. Kaum jemand im Rockbereich hat und hatte so eine brüchige, intensive, aufgeraut-traurige Stimme. Neben seiner Seele und den unzähligen Winston Lights war sicher auch Cobains Hustensaftabhängigkeit Grund für diese unfassbare Stimme, die stets zu implodieren drohte. Selber mal ausprobieren: zwei, drei Fläschchen codeinhaltiger Hustensaft, zwei, drei Schächtelchen Zigaretten, mehrere Stunden Schreien auf höchstem Niveau. Wie einzigartig ein Künster war, hört man manchmal erst, wenn man andere hört, die sich an dessen Songs versuchen.
(Links das Konzertplakat eines Konzerts, das nicht stattgefunden hat. Manche haben noch heute ihre Karte im Nachtschränkchen neben der Bibel liegen).
Der Musikexpress hat in seiner aktuellen Oktober-Ausgabe ein sehr lesenwertes „Nevermind“-Special. Der Zeitschrift liegt eine eigens produzierte und sehr hörenswerte Tribute-CD bei, auf der dreizehn Bands die dreizehn Tracks von „Nevermind“ covern: Sir Simon, Fink (aus Bristol; leider nicht die nicht mehr
existente deutsche Kapelle aus Hamburg), Mando Diao, Parts & Labor, Selig, Bonaparte, Scott Matthew, Get well soon, Wallis Bird, Waters, Thees Uhlmann, William Fitzsimmons und 1000 Robota.
Interessant ist, dass fast alle Interpreten gesanglich wie Cobain klingen wollen oder müssen. Nicht anders können, weil eben Cobain als Sänger und Vorbild zu stark war. Da nehmen Sir Simon oder Scott Matthews das Tempo raus, aber trotzdem singen sie wie Cobain, wenn er das Tempo rausgenommen hätte. Mando Diao machen aus „Come as you are“ den Versuch eines bläsergetriebenen Funkmonsters (Darf man das???). Macht Spaß, funktioniert auch, tolles neues Arrangement, aber beim Gesang hört man trotzdem Kurt und nicht Björn Dixgärd. Und vermisst ihn. Viele imitieren Kurt. Der einzige, der es wirklich schafft, aus der Vorlage einen eigenen Song zu machen, sich den Song anzueignen, ist – und wer um Himmels Willen hätte das gedacht? – Thees Uhlmann, ausgerechnet Thees Uhlmann, der „On a plain“ covert. Respekt. Überraschung. Und eine tolle CD.
NIRVANA TOP TEN
- Come as you are
- Serve the servants
- Jesus doesn’t want me for a sunbeam
- Territorial pissings
- Smells like teen spirit
- Heart-shaped box
- Polly
- About a girl
- Aneurysm
- School

und weiterhin guten Flug wünscht:
Die Crew
Lawndale, benannt nach einer südkalifornischen Kleinstadt, waren eine us-amerikanische Alternative-Surf-Kapelle (ja, das gibt’s), die auf dem legendären SST-Label zwei grandiose Instrumentalalben (Bandmotto: Because some things just can’t be put into words) veröffentlichten. „Beyond Barbecue“, ihr
erstes Werk, erschien 1986 und holt das Wellenrauschen des Pazifiks ins fränkische Wohnzimmer. Höhepunkt: ein Surf-Mash-Up aus Duke Ellingtons „Caravan“ und dem 1967er-Psychedelic-Klassiker „Interstellar overdrive“ von Pink Floyd. Lawndale, eine tolle Band, deren zwei LPs sich gerne in Ramschkisten entdecken lassen. Unbedingt mitnehmen.
Das Cover, laut Rückseite ein Gemälde des Künstlers Mark Kroening, zeigt einen Globusausschnitt mit Japan im Zentrum. Was der Taucher und das Pärchen links oben dort zu tun haben, weiß nur der Maler. Handelt es sich um eine Seekarte? Um ein Gefecht? Einen versunkenen Schatz? Im Periskop ist ein Flugzeugträger zu erkennen, ein U-Boot bewegt sich auf ihn zu. Auf Feindfahrt? Weltkrieg II? Die Schlacht im Pazifik? Egal, Flugzeugträger hatten wir bis jetzt ziemlich selten … 
Die britische Synthpopband "Q-feel" brachte es Anfang der 1980er auf eine LP und einen Top-20-Hit ("Dancing in Heaven (Orbital Be-Bop)"), was heutzutage selbst Eighties-Enthusiasten nicht mehr erinnern. Martin Page, der Sänger, Songschreiber, Bassist und Produzent von "Q-Feel", hatte ein paar Jahre später seine kompositorischen Finger im Spiel bei einem der unsterblich schrottigsten Achtziger-Songs, die Rede ist von "We built this city" von Starship. Q-feels WW-II-Single "Heroes never die" floppte hingegen, hinterließ aber der Nachwelt ein Flugzeugbackcover, das wir nun dreißig Jahre später ausgegraben haben.

"Geht die Welt bankrott?", fragt DER SPIEGEL auf dem Cover seiner aktuellen Ausgabe. Ein Euro- und ein Dollarschein, beide zum Papierflieger gefaltet, stürzen brennend und rauchend zu Boden. Da hat sich die berühmte SPIEGEL-Titelbild-Manufaktur mal wieder selbst übertroffen. Besonders schön das abgebrochene Höhenruder, die 5 des 50-Euro-Scheins. Übrig bleibt die Null: nichs mehr wert.
Beinahe rechtzeitig zum Start der 49. Fußballbundesliga-Saison 2011/2012 ein kleines Special zum Thema Fußballer unterwegs. Nicht im Bus oder im Ferrari oder auf dem Platz, sondern mit dem Flieger:
- Ein Klassiker, der zwar nicht in einem Flugzeug, aber wenigstens im Münchner Flughafen passierte, war der Zusammenstoß zwischen der Damen-Basketballnationalmannschaft und Lothar Matthäus. Der Rekordnationalspieler ließ es sich nicht nehmen, ungefragt, aber vermutlich freudig erregt auf die Schwanzlänge („Er hat den längsten“) seines Mitspielers Adolfo „El tren“ Valencia hinzuweisen. Die Reaktionen der Damen-Basketballnationalmannschaft sind nicht überliefert.
- Ausgerechnet Lothars Intimfeind aus dem Schwabenländle, Jürgen Klinsmann, wurde 2004 überraschend Teamchef der Nationalmannschaft. Da Klinsmann seinen Wohnsitz in Kalifornien beibehielt, musste er mit dem Flieger „pendeln“ und ungefähr 80.000.000 Meilen in der Luft zurücklegen. Eine endlose, zähe Debatte, ob Klinsmann als Teamchef nicht hier zu wohne hätte, folgte. Als Klinsmann dann 2008 überraschend neuer Coach von Bayern München wurde, wechselte er seinen Wohnsitz notgedrungen. Der Ausgang der Geschichte ist bekannt.
- Zum Thema Pendeln zwischen Arbeitsplatz und Wohnort kann auch Ex-Nationaltorwart Jens Lehmann etwas beitragen. Als er beim VfB Stuttgart spielte, ließ er sich ab und an von seinem Wohnsitz am Ostufer des Starnberger Sees mit einem Helikopter nach Stuttgart fliegen. Hin und zurück für 2000 €. Lehmann zahlte die Kosten angeblich selbst.
- Ein großer Fußballer und ein leider noch größerer Alkoholiker war (ist?) Paul Gascoigne, der Gegenspieler von Klinsmann und Matthäus im WM-Halbfinale 1990 in Italien. Am Ende seiner Fußballerkarriere, bereits sichtlich gezeichnet, heuerte er noch einmal beim chinesischen Club Gansu Tianma an. Doch anstatt nach China flog Gazza erst einmal nach Phoenix, Arizona in das Meadows Rehabilitation Centre zum Entzug. „I'm a disgrace, I'm so sorry", stellte er sich dort an der Empfangstheke vor, nachdem er bereits in Heathrow betrunken in den Flieger gestiegen war.
- Der vermutliche bekannteste (und auch beste) Fußballer, der unter Flugangst leidet (litt?), ist der Niederländer Dennis Bergkamp. Gerade für Spieler, die mit ihrer Mannschaft in internationalen Wettbewerben spielen, ist das natürlich ein Riesenproblem. Bergkamp selbst: „Wie und wann die Flugangst entstanden ist, weiß ich nicht […] Ich glaube schon, dass es sehr tief sitzt. Das letzte Mal bin ich Anfang 1995 geflogen. Mit Inter. In dieser Periode wurde es immer schlimmer. Flüge, bei der man die Panik im Körper spüre. Ein Gefühl von: ich will raus hier. Als ich dann einmal gesagt habe, dass ich das nicht mehr mitmachen wollte, fühlte ich mich enorm befreit.“
- Als bedeutendster Fußballer Luxemburgs des letzten Jahrhunderts gilt der 1940 in Esch-sur-Alzette geborene Louis Pilot. Als Aktiver feierte er mehrere Meisterschaften und Pokalsiege mit Standard Lüttich.
- Am letzten Spieltag der Bundesligasaison 1999/2000 ließen die Toten Hosen in einer ironisch gemeinten Aktion ein Flugzeug mit Banner über München kreisen. Drauf stand: Wir gratulieren dem FC Bayern München zur Deutschen Meisterschaft. Da Leverkusen in Unterhaching jedoch völlig überraschend 0:2 (Eigentor Ballack) verlor, traf die Gratulation dann doch wahrhaftig zu. (Trivia: Die beiden Großsympathen Campino und Uli Hoeneß wollten sich unlängst auf einem Friedensgipfel aussprechen – ob was draus geworden ist?)
- Ein weiterer Bannerschlepp findet sich über dem Himmel Leverkusens: Ein klassisch-verwackeltes Youtube-Handy-Filmchen mit Klickzahlen über einer halben Millionen trägt den schönen Titel: EIN LEBEN LANG KEINE SCHALE IN DER HAND + FLUGZEUG und tatsächlich fliegt da ganz oben was vorbei.
- Flughafen und Zoll: Es scheint in München Tradition zu werden, Ware aus Dubai nicht verzollen zu wollen. Nach Michael Ballack hatte es im April dieses Jahres auch Oliver Kahn erwischt, der sieben Poloshirts, acht Pullover, neun Hemden, fünf Hosen und zwei Sakkos, eine Lederjacke und zwei Paar Manschettenknöpfe für gut 6.500 € in den klimatisierten Shopping-Oasen des sympathischen Emirats eingekauft hatte, aber vergaß, die Ware wieder zurück in Deutschland durch das richtige Tor zu tragen.
- Und zum Abschluss noch ein Höhen- und Kunstflug, den man Fußballern so gar nicht zutrauen würde: Linksaußen Udo „Das Pferd“ Hofleder wurde nach einer eher mittelprächtigen Laufbahn bei Darmstadt 98, den Kickers aus Offenbach und Eintracht Frankfurt sieben Jahre nach seinem letzten Spiel in der Oberklasse Weltmeister im Segelflug.


Und die passenden Pullis für den gemeinsamen Discothekenbesuch hat Tante Hanni letzte Woche gehäkelt. Der Hund bleibt aber zu Hause.
































