
(Oben das aufgeklappte Cover der Best-of-Doppel-LP Endless summer der Beach Boys)
(Aus dem Song Über Nacht von Element of Crime)
(Aus den Wurzelkindern)
Auch dieses Jahr geht der Sommer wieder ohne Applaus von der Bühne. Woran hat's gelegen? Das weiß nur der Wind und Kachelmann.
TOP 10 SOMMER ADE
- Element of Crime: Über Nacht
- The Doors: Summer's almost gone
- Beth Gibbons: Funny time of year
- Alexandra: Traum vom Fliegen
- Coleman Hawkins: Indian summer
- The Mamas and Papas: California dreamin'
- January Star: this time it feels like it is never going to be summer again
- The Beatles: Rain
- Them: It's all over now, Baby Blue
- Delta Spirit: Ode to sunshine
Es fängt ganz harmlos an, man denkt sich, Mensch, tolles Cover, passt gut zur Musik, und schon ist man dabei. Irgendwann löst sich das von der Musik, dann macht man eine Seite, dann hat man 1.500 Cover recherchiert, archiviert, zum Teil auch gekauft, blättert im Bahnhofskiosk routinemäßig alle fremdsprachigen Musikzeitschriften auf der Suche nach neuen Flugzeugcovern durch, die SPEX, das Intro, der Rolling Stone liegen eh auf der Waschmaschine, klappert regelmäßig Musikblogs im Netz ab, stöbert bei ebay in den endlosen Vinylkolonnen oder durchforstet auf tollen Seiten wie der Singlesseite 45cat gleich ganze Jahrgänge …
In meiner Straße der Glückseligkeit (drei unterschiedliche Plattenläden auf einem Haufen und ein weiterer um die Ecke) bin ich gern gesehener Stammgast und natürlich habe ich alle schon darüber aufgeklärt, warum ich ab und zu den Bleistift zücke und mir Notizen mache … Gespräche über die Single vom Culture Club („Kaufe ich nur, weil da Flugzeuge drauf sind“) kann man sofort abwürgen, während man mit der anderen Hand zärtlich über das Segelflieger-Cover von „The Low Anthem“ streichelt („Aber das ist eine gute Platte!“ „Äh, was hast du gesagt?“). Im Subrestekosmos Schallplattenladen sind die Flugzeugologisten jedoch noch die harmlosesten. Wenn es denn bei Flugzeugen bliebe …
(Unten: Die Flieger aus dem CD-Booklet der grandiosen letzten Heatmiser-Platte "Mic city sons". Rechts das Album-Cover. Auf der CD findet sich auch der Song "Low-flying jets". Die LP-Version ist rar und nur über die USA zu bekommen. Dort geht sie bei ebay für 70 bis 80 Dollar)

Was erregt nicht alles meine Aufmerksamkeit! Kronleuchtercover (ultrarar!!!), FOC mit Strandspaziergängern und Strandspaziergängerinnen, Singles mit der Freiheitsstatue, Summertime-Versionen, Pärchen-Songs, Wellensittiche & Zebras, verkannte Meisterwerke der Musikgeschichte, denen allmusic einen schlappen Stern zugesprochen hat (was seltener passiert als die Höchstwertung mit fünf Sternen *****), Schlagerplatten der Fünfziger, Sechziger und Siebziger mit „Zigeuner“ im Titel, Songs mit „Simone“ im Titel, Platten mit Photos von Anton Corbijn, ganz zu schweigen von „Im Wasser“ und „Was alles fliegt, wer alles fliegt“ … Und ganz zu schweigen von den Platten einer bestimmten musikalischen Ecke, Richtung, die man tatsächlich in erster Linie – wirklich? – der Musik wegen kauft. Wann stoppt das ganze? Im Alter? (Ha!) Wenn Vinyl Gold wird und ich damit nicht nur meine Miete bezahlen kann? Wenn das Interesse sich guten Weinen zuwendet? (Rhetorische Frage) Beim Urologen? Im Knast? Bei einer Fahrt über die Kölner Rheinbrücke bei Nacht???

Lady Gaga war nur ein Name für mich, Entertainment im digitalen Wind, doch im Zuge ihrer Veröffentlichung von „Born this way“ stieß ich auf ein Detail, das mich interessierte (keine Sorge, FADC zeigt hier nicht das absolut grottige, durch nichts zu rechtfertigende Cover ihrer neuen CD): Clarence Clemons*, der Saxophonist der E Street Band, bläst auf zwei neuen Gaga-Tracks. Bruce Springsteen, Jahrgang 1949, Rockmusiker mit ca. 1284 Gewerkschaftsehrenanstecknadeln, und Lady Gaga, Jahrgang 1986, Verkleidungskünstlerin und so hypermodern, dass selbst Twitter nicht hinterherkommt – wie das?
Tobias Rapp, der SPIEGEL-Beauftragte für Stefani Germanotta (so Lady Gagas bürgerlicher Name) erklärt in den letzten Tagen nicht nur das. Im Print-Flaggschiff Ausgabe 20/2011 erschien ein schönes, ausführliches Gaga-Porträt, online kämpft Tobias Rapp in gefühlt 8787 weiteren Beiträgen wie ein Löwe um die richtige Einordung des neuen Werks Lady Gagas: „Es ist nicht
einfach ein großes Pop-Album. Es ist ein phantastisches Pop-Album.“ An anderer Stelle meint er, dass „Born this way“ die „Menschheit wohl nie wieder verlassen“ wird und der „große popkulturelle Moment des Jahres“ sei. Tobias Rapp, der Lady Gaga in den USA traf und sich dabei von einem ihrer Bodyguards photographieren ließ, destillierte seine Eindrücke auch gleich kidsgerecht für „Dein SPIEGEL“, dem monatlich am Kiosk erscheinenden Ableger (Slogan: Einfach mehr wissen) für die Zielgruppe 10 bis 14.
(Photo oben - Schnappschuss einer unbekannten Stewardess: Lady Gaga wird es auf einem Flug von Ottawa nach Montreal blümerant; wenig später landet die Maschine wohlbehalten auf dem Aéroport international Pierre-Elliott-Trudeau de Montréal; Lady Gaga hat wieder Farbe im Gesicht)
In seinem Beitrag „Beim Superstar auf dem Sofa“ resümiert Rapp (übrigens besser als in dem Porträt für die Zielgruppe 14+): „Vielleicht ist ihr Geheimnis ja, dass es gar kein Geheimnis gibt. Sie verkleidet sich einfach gern, singt gern und steht gern im Rampenlicht.“
Seit November 2010 liegt „Dein SPIEGEL“ neben der Sport-Bravo, der Stafette, AniMania, Geolino, dem Fluter (gibt’s umsonst) in der Schulbibliothek aus, die ich regele. Hauptschule. Südstadt. Bis heute hat niemand je eine Ausgabe von „Dein SPIEGEL“ ausgeliehen. Blitzumfrage unter den Siebt- und Achtklässlerinnen. Mögt ihr Lady Gaga? Nicken, heftig, funkelnde Augen. 100 % Zustimmung. Hey, im aktuellen „Dein SPIEGEL“ ist auch ein Lady-Gaga-Bericht drin … Willst du nicht ausleihen? Kopfschütteln.
In den Feuilletons großer Tageszeitungen und in sämtlichen Musikmagazinen dieser Republik wird im Moment die neue Scheibe der Fleet Foxes von den Kritikern abgefeiert als gäbe es kein Morgen mehr. So schwärmt Kurt Kister in der heutigen SZ von den Fleet Foxes als derzeitig beste Band Amerikas. Ferner gibt er folgende Hypothese zum Besten: "Wären "Simon and Garfunkel" heute jung, hieße es, dass sie doch sehr an die "Fleet Foxes" erinnern." Hmm, ich habe mir die Scheibe heute angehört und muss konstatieren: Ich fand Simon & Garfunkel schon immer scheiße. Zudem ist der Titel des neuen Tonträgers "Helpnessless Blues" Programm. Einzig das Cover genügt höheren Ansprüchen:

Unglaublich wie Merkel, Westerwelle, Niebel, Kauder, Seehofer, Mappus, Altmaier, Söder, Homberger, Brüderle und Konsorten aus dem Arsch der Atomlobby gekrochen kommen und ihr Fähnchen mal wieder in den passenden Wind halten. Laufzeitverkürzung für Merkel - ich bin dabei und wünsche mir Sankt Paulianische Verhältnisse.

Für mich jetzt schon DAS Flugzeugcover des Jahres 2011. Es wird schwer zu toppen sein.


Die Indie-Pop-Band Zoey van Goey aus Glasgow überrascht mit einem Wuselcover und tollen Songtiteln wie "You told the drunks I knew karate". Dass die CD "Propeller versus wings" heißt, ist noch ein weiteres Highlight.
Bereits auf ihrer Debüt-CD "The cage was unlocked all along" (2009) bot "Zoey van Goey" ein Flugobjekt. Allerdings unklar, ob diese Badewanne mit zur "Flotte" gehören soll. Eher nicht. Trotzdem ein schönes Cover, das mich irgendwie an "Doctor Snuggles" erinnert.
Hawk Nelson, eine so-called "christian punk-pop" Band, liefert mit "Crazy heart" einen schönen, liniierten Collegeblockpapierflieger ab.

Noch nicht ganz, aber bald, Ende Februar, kommt das erste (von uns gesichtete) Flugzeugcoveralbum 2011 raus! "Smarth flesh" wird es heißen und stammt von der Combo "The Low Anthem". Holger Wendt rezensiert im aktuellen "Intro":
"'Smart flesh' bietet Abwechslung, Intimität und elegische Harmonien. Also alles, was man bei Crosby, Stills & Nash kennengelernt und bei Fleet Foxes lieben gelernt hat. Muss noch mehr gesagt werden?"
ersten Flugzeugcover 2011. Warum eigentlich? Gab's historisch betrachtet nicht schon genug? Ist das der Grund, warum immer mehr Bands, Sänger und Sängerinnen, Elektronikfrickler und Schlagerpäpste, Old-School-Jazzer und Soundtrackkomponisten, Marimba-Hasardeure, Body-Percussionisten, New Ager, Dub Stepper, Gothiker, Romaniker, Allazaniker, Weißwürste und Tofubrathähnchen, Heringe und Importkondome, Saatgutproduzenten und Samenräuber, also, alle, die Musik in ihrer weitesten Form und Größe produzieren, vermarkten, weiberbringen, durchdrangsalieren, kernern, kellnern & kichern, sprich, um auf den Punkt zu kommen, ist das der Grund, warum wir nach VORNE blicken sollten? So wie die us-amerikanischen Think-Tanks und schinesischen Denk-Kollektive? 2011 abhaken? Ist das Jahr bereits am 01. Februar wirklich schon gelaufen? Ad acta gelegt, verramscht, verbraucht, vergessen? Who knows where the time goes. Februar 2011. Wo bleiben deine Flugzeuge? „Habt ihr Fernschiff-Piloten neue Informationen?“ erkundigte sich Diona.
Gossen schüttelte den Kopf.
„Nein. Aber es gibt einen Haufen Gerüchte. Was Ousmane tun wird, was die Blacklanders vorhaben, was die beiden Planeten tun werden, wie die anderen Welten und die fernen Sonnensysteme mit uns zu tun haben. Im Augenblick ist alles in Gärung.“
„Genau das sagt auch Yahai Paik!“ stimmte Diona zu.
(Aus: Planet am Scheideweg. Von Hans Kneifel. Rastatt/Baden: Erich Pabel Verlag 1974; S. 94)


(Oben aus dem Jahr 1983 das Cover der Piloten-7" der Berliner Band Bel Ami)
Während schwangere Ministerinnen eine dicke Schlagzeile wert sind, las man schon länger nichts mehr über eine Geburt im Flugzeug. Zumindest nicht auf der Titelseite oder ganz oben. Wäre ein schönes Internet-Portal: Gebären im Flugzeug. Dass Frau Schröder ihr Kind im Flugzeug zur Welt bringt, halte ich für eher unwahrscheinlich, da sie als Familienministerin wohl nicht so häufig fliegen muss, wenn überhaupt. Außerdem wolle sie, so liest man, den Mutterschutz (6 Wochen vor, 8 Wochen nach der Geburt) einhalten, was die Chance für eine Luft-Geburt weiter einschränkt. Zur Frage der Empfängnis, die ja durchaus in einem Flugzeug stattgefunden haben könnte, rein theoretisch, habe ich in dieser Angelegenheit noch nichts gelesen. Wäre auch ein schönes Internet-Portal: Huch, ich bin im Flieger gezeugt worden! (Und Papi war nicht dabei)
































